Perfektionismus: Fluch oder Segen?

Kennen Sie das Gefühl scheinbar ewig an einer einzigen Aufgabe zu arbeiten und dabei ständig zu glauben, dass Sie noch etwas verbessern könnten?

Falls Sie diese Fragen des Öfteren mit „Ja“ beantworten können, dann steckt in Ihnen vielleicht auch ein Perfektionist.

Doch was genau unterscheidet den Perfektionisten vom Rest der Welt?

  • Höhere Erwartungen und Selbstanforderungen.
  • Sehr vorsichtig und kontrolliert.
  • Zweifelnd, unentschlossen und detailverliebt.

Anhand dieser Eigenschaften sehen wir schon, dass es sich eher um einen Fluch handelt. Eines der Hauptprobleme des Perfektionisten ist ein falsches Verständnis von Fehlern.

Anhand seiner übertriebenen Sorgfalt und Detailverliebtheit versucht er möglichst viele oder sogar alle Fehler im Vorfeld zu vermeiden. Was letztendlich dazu führt, dass er seine Aufgabe nur mit einem sehr hohen Zeitaufwand „fertigstellen“ kann. Wenn man hierbei überhaupt von Fertigstellung sprechen darf.

Kein äußerer Druck, keine Motivation

Ohne äußeren oder zeitlichen Druck fehlt die nötige Motivation oder der Grund dazu, diese Aufgabe abzuhaken. Schließlich findet der Perfektionist immer noch einen weiteren Punkt, der verbessert werden könnte. Oder in dessen Augen verbessert werden MUSS!

Der Perfektionist hat ein weiteres Problem, das bereits im Namen steckt: Der Versuch alles perfekt zu machen! Mit dieser Erwartung ist er bereits vor Beginn zum Scheitern verurteilt.

Alle Fehler lassen sich in der Theorie einfach nicht voraussagen, dazu ist praktische Anwendung notwendig. Doch in Angst vor diesen möglichen Fehlern schiebt der Perfektionist diesen Termin so weit wie möglich nach hinten. Und zwar bis zeitliche, finanzielle oder sonstige äußeren Faktoren ihn zu einer Fertigstellung ZWINGEN.

Spätestens jetzt dürfte jedem klar sein, dass es sich hierbei ganz klar um einen Fluch handelt. Die wirtschaftlichen Schäden, die von solchen Perfektionisten verursacht werden, sind bei weitem höher als mögliche Schäden, die aufgrund der nicht entdeckten Fehler auftreten.

Damit sollen keineswegs Schlampigkeit und mangelnde Gewissenhaftigkeit propagiert werden. Wenn 95% der Arbeit sehr gut erledigt wurden und in der Suche nach den restlichen 5% dieselbe oder noch mehr Zeit und Energie gesteckt wird, dann ist das alles andere als ökonomisch.

Dank solch einer übertriebenen Sorgfalt (bzw. Angst) könnte es dazu kommen, dass ein anderes Unternehmen dasselbe Produkt eher auf den Markt bringt und der Perfektionist das Nachsehen hat. Aufträge ohne feste Zeitvorgabe werden storniert, da es für den Perfektionisten keinen äußeren Druck gibt und es dem Auftraggeber einfach zu lange dauert. Die Liste der möglichen Schäden ist endlos.

Wie werden Sie Ihren Perfektionismus wieder los?

Im Grunde kämpft der Perfektionist lediglich gegen seine alten Gewohnheiten an. Und sind diese erst einmal tief genug verankert, wird es nicht leicht, diese wieder abzuschütteln. Dies ist besonders bei Aufgaben der Fall, die keiner äußeren Kontrolle unterstehen.

Zur Selbstkontrolle sollten Sie sich klare Zeitlimits setzen, und diese auch einhalten. Hierbei gibt es aber ein Problem. Wenn Sie Ihre Limits nicht einhalten, hat dies im Grunde keine scheinbaren negativen Auswirkungen auf Sie.

Machen Sie Ihre Ziele daher möglichst verbindlich. Berichten Sie Freunden, Verwandten und Bekannten von Ihren Aufgaben, Plänen und Zielen samt Zeitlimits! Je wichtiger Ihnen diese Person ist, desto verbindlicher wird Ihr Vorhaben. Schließlich möchten Sie diese Personen doch nicht enttäuschen, oder?

Mein Tipp:

Setzen Sie sich vor Beginn Ihrer Aufgabe ein Zeitlimit und schreiben Sie die elementaren Ziele auf, die Sie erreichen MÜSSEN. Dazu können Sie Ihre Aufgabe in kleine handliche Stücke zerlegen. Notieren Sie sich Ihre Schritte und die dafür benötigte Zeit, die Sie zu Erledigung jedes einzelnen Zieles verbraucht haben. Wenn Sie das Zeitlimit erreicht haben, aber noch nicht alle Ziele abgehakt sind, können Sie nun wunderbar feststellen an welcher Stelle Sie dem Perfektionismus verfallen sind.

Besteht Ihre Aufgabe zum Beispiel aus vier einzelnen Schritten, von denen Sie im vorgegebenen Zeitlimit nur drei geschafft haben, dann wissen sie genau bei welchem dieser drei Schritte Sie zu sehr ins Detail gegangen sind. Dies wird noch deutlicher, wenn Sie jedem Schritt noch ein individuelles Zeitfenster geben.

Mit der Zeit wird diese neue Vorgehensweise Ihre alte Perfektionismus-Gewohnheit ersetzen. Hierzu ist aber vor allem eines nötig: Viel Ausdauer! Doch in Anbetracht der möglichen Ergebnisse lohnt sich diese Mühe!


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Kommentare

6 Antworten zu „Perfektionismus: Fluch oder Segen?“

  1. Avatar von Luisa B.
    Luisa B.

    Hallo alle zusammen,
    ich schreibe gerade einen Arbeit über das Thema Perfektionismus und bin im Zuge dessen auf dieser Seite gelandet. Dabei gefällt mir das Bild sehr gut und ich wollte fragen, ob das für meine Arbeit, nichts öffentliches, sondern für die Schule, verwenden darf…?
    Liebe Grüße, über eine Antwort würde ich mich natürlich sehr freuen.
    Luisa

    (luisa.bisswanger@web.de)

  2. Avatar von Max
    Max

    Wahrscheinlich ist obiges Bild selbst irgendwo „ausgeborgt“. Also mach dir nicht in die Hose und nimm es dir doch einfach – kleiner Perfektionist du.

  3. Avatar von Thomas

    Hallo Max,

    obiges Bild stammt von http://www.istockphoto.com und darf leider nicht frei verwendet werden.

    Beste Grüße,
    Thomas

  4. […] einem anderen Artikel habe ich gelesen, dass Perfektionisten folgendes ausmacht: Sie… …haben höhere […]

  5. Avatar von Michel

    Lieber unperfekt starten, als perfekt zögern. 😉

  6. Avatar von Stephan Wiessler

    Ja, es ist sicher auch eine Gewohnheit. Perfektionisten sollten üben, nicht perfekt zu sein. Also wirklich auch die Emotionen dahinter verstehen und akzeptieren, wenn etwas nicht fertig ist.

    Ist ne Übungssache, keine Frage.

    Beste Grüße,

    Stephan Wießler

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